Bruchrechnen, Panne und verbrannte Entenbrust

Tage wie dieser… Letzter Samstag – ein Traum-Tag voller Pleiten mit Happy End: Wir haben Freunde aus Hannover zum Mittagessen eingeladen. Ich bin voller Vorfreude, wir haben uns lange nicht gesehen. Ich habe Entenbrust eingekauft – es soll richtig schön werden, so wie früher, wenn wir uns alle zusammen beim Chinesen getroffen haben. Das erste Problem gibt es bereits vor dem Frühstückstisch. Unser Ältester (er geht in die 6. Klasse) gesteht mir, dass er am Vortag nicht all seine Hausaufgaben fertig gemacht hat. Mathe (Bruchrechnen) hat er noch nicht einmal angefangen! Morgen hat er ein Fußball-Turnier. Das Bruchrechnen muss also heute noch erledigt werden. Wir vereinbaren, dass es deshalb nur ein schnelles Müsli gibt und er dann als erstes seine Hausaufgaben erledigt, während ich die Ente vorbereite und mein Mann unsere beiden jüngeren Kinder zu einem Klassenkameraden fährt, wo sie heute zum Spielen verabredet sind. Die drei fahren weg und ich bin kaum 5 Minuten in der Küche, als Tom ruft, weil er etwas nicht versteht. Ich habe den Eindruck, er bemüht sich gar nicht erst richtig. Bruchrechnen gefällt ihm nicht, sagt er. Langsam werde ich ungeduldig. Ich sage ihm, dass er es sich selbst eingebrockt hat und auch schon beim Spielen sein könnte, wenn er seine Matheaufgaben gestern erledigt hätte. Er soll sich konzentrieren und nicht ablenken lassen, dann hat er es auch schnell geschafft. Aber er packt die Aufgaben nicht ordentlich. Noch drei Mal ruft er. Er verstehe die Aufgaben zum Bruchrechnen nicht. Ob er denn im Unterricht nicht aufgepasst hat, frage ich. Hat er angeblich, aber so richtig verstanden hätte er es eben nicht. Ich frage mich, wo mein Mann bloß bleibt – der hätte sich doch gut um das Problem mit dem Bruchrechnen kümmern können. Da klingelt mein Handy: Er hat eine Panne und wartet auf den Abschleppdienst. Es kommt wirklich alles auf einmal… Ok, ich mache Tom einen Vorschlag: Er hilft mir bei den Vorbereitungen und dann, während die Ente im Ofen ist, sehen wir uns die Matheaufgaben gemeinsam an. Ich muss feststellen, dass ich selbst schon etwas aus der Übung bin und lasse mir erstmal Toms Mathebuch geben, um das Kapitel Bruchrechnen schnell einmal zu überfliegen. Sie sind gerade beim Thema „Brüche kürzen und Brüche erweitern“. Ich versuche, es Tom noch einmal langsam zu erklären. Betonung liegt hier leider wirklich auf langsam. Bin inzwischen schon einigermaßen nervös. Die Hannoveraner kommen gleich… Und Rainer (mein Mann) ist auch noch nicht wieder da. Ich frage Tom, ob sie in der Schule schon einmal so eine Bruchrechnen-Aufgabe gemacht haben. Ja. Toll. Die sehen wir uns als Beispiel noch einmal gemeinsam an. Auf einmal rieche ich es: es riecht total verbrannt! Die Ente! Ich renne in die Küche, aber die ist verkohlt. So ein Mist. Jetzt bin ich wirklich sauer. Sch… Bruchrechnen. In 15 Minuten kommen unsere Freunde. So schnell kann ich nichts mehr zaubern. Und die Matheaufgaben sind ja auch noch nicht gemacht. Also rufe ich kurzentschlossen beim Chinesen an. Bestelle, was wir früher immer gegessen haben. Dann sage ich Tom, er solle einmal versuchen, ob er das mit dem Bruchrechnen jetzt nicht hinkriegt. Bei der ersten Aufgabe bleibe ich dabei. Er kann sie lösen! Blitzschnell ziehe ich mich um, und da klingelt es auch schon. Nur Rainer fehlt immer noch… Doch ein Glück: die Gäste haben noch nicht die Jacken aufgehängt, da kommt er zur Tür rein! Ich berichte von meinem verunglückten Essen und alle lachen nur. Ihnen schmeckt das Original sowieso am besten. Also sind alle happy, als der Lieferservice, die bestellt Ente bringt. Nach der Hälfte des Essens (alle sind ausgelassen und ich inzwischen auch wieder entspannt), stürmt Tom herein: Er habe alle Aufgaben gelöst und sei jetzt ein echter Champion im Bruchrechnen!


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